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Essigsäure ist eine farblose, hygroskopische
Flüssigkeit mit stechendem Geruch. Sie ist mit den meisten organischen
Verbindungen (Wasser, Ether, Ethanol, Glycerin etc.) mischbar. Reine
Essigsäure erstarrt bei 16,5°C zu weißen Kristallen (siehe Abbildung) und
wird daher auch als Eisessig bezeichnet. In reinem Zustand wirkt sie auf
Augen und Schleimhäute massiv ätzend und ist brennbar. In der Natur kommt
Essigsäure in Form ihrer Salzen, den Acetaten und als Ester vor. Essigsäure
besitz eine Carboxylgruppe und gehört somit den Monocarbonsäuren an.
Wie andere organische Säuren reagiert auch
die Essigsäure mit Calciumcarbonat in einer heftigen Reaktion. Dabei
entstehen große Mengen an Kohlenstoffdioxid. Außerdem reagiert Essigsäure
mit Metallen wie Eisen, Magnesium und Zink, dabei entstehen die
entsprechenden Acetate und Wasserstoff [Mg + 2 CH3COOH → (CH3COO)2Mg
+ H2].
Zusammen mit Alkoholen bildet Essigsäure
Ester aus. Diese Reaktion findet bei Anwesenheit von Katalysatoren statt
(z.B. Schwefelsäure).

Abb.:
Veresterung von Essigsäure mit Ethanol
Aus der Geschichte: Eine
zwiespältige Rolle der Essigsäure
Essig
ist wohl eines der ältesten Heilmittel, die es gibt. Schon die alten Ägypter
schätzten am Essig seine säuerliche Frische und seine Wirkung gegen
Krankheitskeime.
Auch in der Bibel wird Essig erwähnt. Im neuen Testament wird das Sterben
Christi direkt mit dem Genuss von Essig in Verbindung gebracht.
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Da lief einer und füllte einen
Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn.
(Markus 15:36) |
Diese
Verabreichung von Essig wird gelegentlich als Verhöhnung gedeutet. Darauf
scheint auch ein prophetischer Vers in den Psalmen hinzuweisen.
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Und sie geben mir Galle zu
essen und Essig zu trinken in meinem großen Durste.
(Psalm 69:22) |
Aber damit tut man den
römischen Soldaten, die Christus den mit Essig getränkten Schwamm reichten,
unrecht: Die Römer pflegten den Essig nämlich zur Erfrischung und aus
medizinischen Gründen zu trinken. Jeder Legionär hatte ein Fässchen Essig in
seinem Gepäck. In diesem Zusammenhang gewinnt die Szene einen ganz anderen
Sinn.
Erstaunlicherweise wurde die Essigsäure damals in Bleitöpfen oder in mit
bleihaltigen Glasuren verzierten Keramikgefäßen aufbewahrt.
Essig reagiert jedoch mit Blei – wie auch die Römer wussten -; dabei entsteht
Bleiacetat. Dieses Salz der Essigsäure ist gut in Wasser löslich,
schmeckt süß und wird deshalb Bleizucker genannt.
Doch Bleizucker ist giftig. Da man in den Skeletten und Zähnen der alten
Römer viel Blei gefunden hat, nimmt man heute an, daß eine allgemein
verbreitete Bleivergiftung der Bevölkerung mit zum Untergang des römischen
Reiches beigetragen hat.
Noch im Mittelalter wurde Bleizucker zum Süßen verwendet. (Außer dem Honig
hatte man einfach keine anderen Möglichkeiten zum Süßen.) Dazu ein Text aus
einem Dienstbuch der Polizei von 1787:
„Des so gefährlichen
Bleyzuckers . . ., das in einer gewissen Menge des sauren Weines, oder auch
im bloßen Weinessig, aufgelöst wird, bedienten sich die Unglücklichen, um
ein ganzes Fass solches sauren unschmackhaften Saftes, in einen süßlichen
Trank zu verwandeln, und so . . . ein wirklich langsames Gift verschlingen
zu machen.“
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