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Nucleophile aromatische Substitution |
Wie Alkene sind auch Aromaten eher
elektronenreich. Sie werden daher bevorzugt von Elektrophilen angegeriffen.
Jedoch kann auch hier durch geeignete Substitution die Elektronendichte
erniedrigt werden, so dass auch Nucleophile mit Aromaten reagieren. In solchen
Fällen beobachtet man Substitution, die jedoch weder als SN2-Reaktion
mit Inversion (Walden’sche Umkehr) noch als SN1-Reaktion verlaufen
kann, da Phenylkationen extrem instabil sind. Vielmehr verläuft die nucleophile
aromatische Substitution wie die elektrophile araomatische Substitution als
Additions-Eliminierungs-Reaktion. Die resultierende Zwischenstufe, ein
Cyclohexadienyl-Anion, wird durch elektronenziehende Substituenten stabilisiert
und als Meisenheimer-Komplex
bezeichnet. Einige Komplexe konnten isoliert werden.

Um zum substituierten Aromaten zu gelangen,
muss nun im zweiten Reaktionsschritt ein Anion abgespalten werden. Bei einer
Addition eines Nucleophils in ortho-, meta- oder para- Position eines
substituiertesn Aromaten muss ein Hydrid-Ion abgespalten werden. Addiert sich
das Nucleophil jedoch an ein aromatisches C-Atom, das eine gute Abgangsgruppe trägt,
so kann der vorhandene Substituent durch die nucleophile aromatische
Substitution als Anion abgespalten werden. Auch hier liegt ipso-Substitution
vor.

Wie die elektrophile aromatische Substitution
findet die nucleophile aromatische Substitution also zweistufig statt. Da sich
zuerst ein Teilchen addiert, und in einem zweiten Schritt ein Teilchen
abgespalten wird, ist diese Reaktion ebenfalls eine
Additions-Eliminierungs-Reaktion. Doch auch ein
Eliminierungs-Additions-Mechanismus ist möglich. Er wird bei weniger
elektronenarmen Aromaten und bei Verwendung sehr basischer Nucleophile
beobachtet, beispielsweise bei der Umsetzung von Chlorbenzol mit Natriumamid zu
Anilin.

Das Nucleophil wirkt als Base und greift ein
Proton in ortho-Stellung zum Chloratom an, wodurch es zur HCl-Eliminierung und
zur Bildung eines cyclischen aromatischen Alkins kommt, welches Arin oder
Dehydroaromat genannt wird. Die hohe Spannung in diesem Sechsring-Alkin erklärt
dessen hohe Reaktivität. Es addiert rasch Ammoniak und geht dadurch in Anilin
über. Da das unsubstituierte Benz-in ein symmetrisches Molekül ist, kann sich
die Aminogruppe an beide C-Atome der Dreifachbindung addieren. Bei Verwendung
von isotropenmarkierten Arinen, bei denen ein 12C-Atom durch ein 13C-Atom
ersetzt ist, findet man daher Regioisomere.

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